LEHRPERSONEN | Rolle

Die Rolle der Lehrpersonen

 

Sexualaufklärung ist ein integraler Bestandteil der Allgemeinbildung. Eltern sind die ersten Ansprechpersonen in diesem Bereich (siehe demnächst unter www.sexualerziehung-eltern.ch). Es haben jedoch alle Fachpersonen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine ergänzende Verantwortung in Bezug auf Sexualaufklärung.

Im schulischen Kontext leisten Lehrpersonen entweder formelle Sexualaufklärung durch geplante Unterrichtseinheiten oder informelle Sexualaufklärung durch die Beantwortung von spontan gestellten Fragen, durch die Auseinandersetzung mit Situationen, bei denen sie zufällig Zeugen wurden oder durch ihre Einstellung der Thematik gegenüber. Lehrpersonen sind immer auch Vorbilder für Geschlechterrollen. In jedem Alter, in jeder Entwicklungsphase haben Schüler_innen spezifische Fragen und Verhaltensweisen, auf die es pädagogisch angemessen zu reagieren gilt.

Wie schon vor der Einführung des Lehrplans 21 (LP21) wird Sexualaufklärung in der Deutschschweiz vorwiegend von Lehrpersonen unterrichtet. Sexuelle Gesundheit fällt in den Bereich von lebenskundlichen Themen und wird im LP 21 vorwiegend in den Kompetenzbereichen Natur/Mensch/Gesellschaft, Natur/Technik sowie Ethik/Religion/Gemeinschaft unterrichtet. Sexualaufklärung im engeren Sinn wird vorwiegend ab dem 2. Zyklus unterrichtet. Dabei werden Themen wie Freundschaft, Liebe und Partnerschaft, Umgang mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und denen der Mitmenschen, Gleichberechtigung, Übernahme von Verantwortung für sich und andere diskutiert. Lehrpersonen haben grossen Gestaltungsspielraum. Mit dem LP 21 wird jedoch neu empfohlen, die Themen auch kompetenzübergreifend zu behandeln.

  In Ergänzung und zur Vertiefung des Unterrichts für Sexualaufklärung können Sexualpädagoginnen und -pädagogen oder Fachpersonen der sexuellen Gesundheit hinzugezogen werden. Es empfiehlt sich diese Klassenveranstaltungen vorzubesprechen, um die Interventionen bestmöglich in das Schulprogramm integrieren zu können und um spezifische Fragestellungen zu besprechen.

 

Um eine hochwertige Sexualaufklärung nach dem «Kooperationsmodell» sicherzustellen, gilt für Lehrpersonen folgendes:

  • Sie kennen die Zielsetzungen für die Sexualaufklärung in den verschiedenen Zyklen und wissen, was von ihnen erwartet wird.
     
  • Sie kennen die Bedeutung des ganzheitlichen und positiven Ansatzes von Sexualität für die Entwicklung des Kindes, verstehen seine Wichtigkeit für die Prävention und lassen ihn in die allgemeine Schulbildung einfliessen.
     
  • Sie kennen Fachpersonen und Angebote innerhalb und außerhalb der eigenen Schule oder Institution, die sie für Coaching oder Unterstützung im Bereich der Sexualaufklärung in Anspruch nehmen können.
     
  • Sie verfügen über Informationen und Wissen, um die eigene Rolle reflektieren zu können und ihr gerecht zu werden.
     
  • Sie kennen die psychosexuellen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen und wissen, wie sich diese ausdrücken können. Sie wissen, wie die Entwicklung der sexuellen Identität unterstützt werden kann.
     
  • Sie kennen die Kinderrechte und die sexualitätsbezogenen Menschenrechte und wissen, darauf basierend, welche Rolle Lehrpersonen gegenüber Kindern und Jugendlichen haben.
     
  • Sie pflegen einen bewussten Umgang mit Geschlechterstereotypen, sexuellen Ausdrucksformen oder sexuellen Orientierungen sowie eine integrierende Sprache und Vorgehensweise.
     
  • Sie erkennen Zeichen von Misshandlung und sexualisierter Gewalt.
     
  • Sie wissen, was sexuelle Ausbeutung ist und an wen sich Kinder und Jugendliche bei sexueller Ausbeutung oder Offenlegung von sexueller Ausbeutung wenden können.
  • Sie kennen die institutionellen Richtlinien zum Vorgehen und die verfügbaren Ressourcen im Falle von Misshandlung, Gewalt in Beziehungen oder sexualisierter Gewalt.
  • Sie sind sensibilisiert für Chancen und Risiken in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und können Kinder und Jugendliche beim Erwerb von Medienkompetenzen unterstützen.
     
  • ​Sie kennen die Angebote im Bereich der sexuellen Gesundheit und wissen, wohin sich Lehrpersonen bei Fragen zu Sexualität und sexueller Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wenden können.